Familienklassen

Gründe für Familienklassen

Die Schule am Nordpark umfasst, neben den altershomogenen Klassen vier Familienklassen mit jeweils ca. 12 SchülerInnen. In diesen Klassen sind die Kinder altersheterogen gemischt, vom Schuleintrittsalter bis einschließlich zur Oberstufe. Warum gibt es diese Klassen? Familienklassen bieten den Vorteil, dass sich Schuleingangskinder in ein gefestigtes Klassensystem einfinden können. Sie können sich bei ihren Lernprozessen stark am Vorbild ihrer MitschülerInnen orientierten. Die SchülerInnen werden sehr schnell selbstständig in der Bewältigung alltäglicher Aufgaben und können so viel schneller in das Angebot von kognitiven Lerninhalten mit eingebunden werden. Darüber hinaus entwickeln sie einen starken Willen zur Selbsttätigkeit, angeregt durch das Vorbild der Älteren.

Neben der Sozialisation der Schulneulinge zeigen sich aber auch positive Auswirkungen auf die älteren SchülerInnen: Neben der Stärkung des Selbstbewusstseins, das für die persönliche Entwicklung von wesentlicher Bedeutung ist, wird gerade im Bereich des sozialen Lernens vieles zur Selbstverständlichkeit, wie die Rücksichtnahme auf Kleinere und das Zurückstellen von eigenen Bedürfnissen. Darüber hinaus bekommt die Eingliederung von stark verhaltensauffälligen SchülerInnen ein immer größeres Gewicht. Viele SchülerInnen, ob jüngere oder ältere, bringen auf der Verhaltensebene  Voraussetzungen mit, die es ihnen erschweren, sich ohne Probleme in das Sozialgefüge Klassenverband einzufinden. Während die SchülerInnen in den jüngeren Altersgruppen häufig sehr bedürfnisorientiert agieren, haben einige der Älteren Schwierigkeiten, in einer altersgleichen Klasse, ihren Platz zu finden. Folgen sind Verhaltensauffälligkeiten, die das Klima in den Gruppen massiv stören. In einer Familienklasse relativieren sich diese Schwierigkeiten. Die jungen SchülerInnen genießen in diesen Klassen eine Sonderstellung, die es ihnen erlaubt, häufig im Mittelpunkt zu stehen. Voraussetzung dafür ist eine unglaubliche Toleranz der älteren SchülerInnen und ihr Einverständnis, dass unterschiedliche Regelwerke für Vor- und Unterstufen- bzw. Mittel- und Oberstufenschüler gelten. Die älteren SchülerInnen mit Verhaltensauffälligkeiten müssen sich in den neu geschaffenen Klassenstrukturen nicht permanent beweisen und ihren Platz im Klassengefüge »erkämpfen«. Man ist einfach »stärker« nur aufgrund der Tatsache, dass man älter ist. Die Einsicht, dass man viele Dinge schon beherrscht und in vielen Bereichen schon selbständiger ist, bedingt wohl eine gewisse Gelassenheit, wodurch der tägliche »Kampf« um den angemessenen Platz in der Gemeinschaft entfällt. Das Motto »Meine Erfahrung macht mich stark!« ist für viele verhaltensauffällige ältere SchülerInnen eine Möglichkeit, ohne Stress den Schulalltag zu bewältigen.

In den Familienklassen können die SchülerInnen auch länger verbleiben, als in altershomogenen Klassen, wo klassischerweise nach ein paar Jahren ein Wechsel ansteht. Eine lange konstante Klassenstruktur kann für einige SchülerInnen von Vorteil sein: Sie können in vertrauter Umgebung sich von klein zu groß zu entwickeln und über die Jahre die beschriebenen verschieden Positionen innerhalb der Gruppe einnehmen und erleben.

 

Warum gibt es nicht nur Familienklassen?

Klassische Lernverbände, also Grund-, Mittel-, Haupt- und Berufspraxisstufe bieten die passende Lernumgebung für alle SchülerInnen, die nicht von den besonderen Rahmenbedingungen der Familienklassen profitieren, sondern sich eher innerhalb einer altershomogenen Gruppe wohlfühlen und zurechtfinden. Das Anbieten beider Klassenformen schafft somit eine Flexibilität in der Lernumgebung, um den besonderen und sehr unterschiedlichen Bedürfnissen, Entwicklungs- und Lebenswelten unserer SchülerInnen stärker gerecht werden zu können.